Bezahlbares Wohnen neu denken: Aufstieg ermöglichen statt Förderschubladen

Bezahlbares Wohnen neu denken: Aufstieg ermöglichen statt Förderschubladen 09. September 2026 Bezahlbares Wohnen darf nicht an Fördergrenzen enden Garbsen steht vor einer grundsätzlichen Frage: Reicht gezielte Förderung, oder brauchen wir ein System, das auch Aufstieg und Eigentumsbildung fördert? Marvin Bartsch, Bürgermeisterkandidat der FDP, fordert eine Politik, die über starre Förderraster hinausdenkt und Menschen echte Perspektiven eröffnet. Der Begriff bezahlbares Wohnen wird derzeit oft verwendet, aber nicht immer präzise. Kommunale Beschlüsse wie der Garbsener Baulandbeschluss unterscheiden zwischen allgemein bezahlbarem Wohnraum und gefördertem Wohnraum. Geförderte Wohnungen sind ein gezieltes Instrument für Haushalte unter bestimmten Einkommensgrenzen. Bezahlbarer Wohnraum hingegen sollte für eine breite Bevölkerungsschicht erreichbar sein. In der öffentlichen Debatte verschwimmen diese Unterschiede zu schnell. Mein Rat an die Bürgerinnen und Bürger lautet deshalb: Wenn Ihnen ein Politiker bezahlbares Wohnen verspricht, fragen Sie nach der Zielgruppe. Stellen Sie die Frage «Bin ich damit auch gemeint?» Das Fördersystem hat seine Berechtigung. Es hilft Menschen, die auf dem freien Markt keine bezahlbare Wohnung finden. Doch das System ist nicht universell einsetzbar. Wer einmal eine geförderte Wohnung bezieht und später ein besseres Einkommen erzielt, profitiert weiter von der günstigen Miete, weil in Niedersachsen seit 2004 keine Fehlbelegungsabgabe erhoben wird. Das ist ein moralisches Dilemma: Man will beruflichen Aufstieg nicht bestrafen, schafft damit aber gleichzeitig Engpässe für andere Bedürftige. Noch dringlicher ist die Lage jener Berufsgruppen, die über den Fördergrenzen liegen, aber trotzdem kein Einkommen für teure Neubauwohnungen haben: Handwerker, Erzieher, Pflegekräfte, medizinische Assistenzen, junge Familien und Gründerinnen und Gründer. Die festgeschriebenen Quoten im Garbsener Baulandbeschluss von 2020 – je nach Stadtteil 15 oder 30 Prozent geförderter Wohnungsbau – entstanden in einer anderen wirtschaftlichen Lage. Inzwischen haben sich Rahmenbedingungen verändert: Förderprogramme sind attraktiver geworden, Investoren sehen Renditen auch im geförderten Neubau, und Verfahren wurden vereinfacht. Das ist zunächst positiv, zwingt aber zugleich zur Neubewertung der Instrumente. Bleiben wir bei alten Quoten, riskieren wir, die Balance zwischen Mieterentlastung und Eigentumschancen aus dem Blick zu verlieren. Ein aktuelles Beispiel aus Garbsen macht die Diskussion konkret. Im Quartier Grasgrün bis Himmelblau entstanden 78 Mietwohnungen zu 100 Prozent im geförderten Wohnungsbau. Für die Bewohnerinnen und Bewohner kann das eine spürbare Entlastung sein. Doch die Wohnungen wurden von einem privaten Anbieter für den eigenen Bestand errichtet. Das schafft zwar neuen, günstigeren Mietraum, eröffnet aber niemandem die Chance auf Eigentum. Vor allem jungen Familien entzieht sich so der Einstieg in Vermögensaufbau und langfristige Sicherheit. Deshalb plädiert Bartsch für ergänzende Wege: Unterstützung soll dort ankommen, wo sie gebraucht wird, gleichzeitig muss Politik Anreize für Eigentumsbildung und Aufstieg schaffen. Auf Bundes- und Landesebene nennt er als Beispiel eine deutliche Entlastung bei der Grunderwerbsteuer für selbstgenutztes Wohneigentum und echte Freibeträge. Auf kommunaler Ebene schlägt er das Erbbaurecht vor: Die Stadt stellt Grundstücke zur Verfügung, Familien bauen und besitzen ihr Haus, zahlen aber zunächst einen planbaren Erbbauzins. Das reduziert den anfänglichen Finanzierungsbedarf, erleichtert den Einstieg in Eigenheim und bewahrt zugleich städtisches Bodeninteresse. Erbbaurecht ist kein Allheilmittel, aber es ist ein praktisches Instrument, das Verschiebungen in der Wohnungsversorgung abfedern kann. In Kombination mit schnelleren Genehmigungsverfahren, der Prüfung von Potenzialflächen und einer Entbürokratisierung lokaler Bauauflagen lassen sich spürbare Verbesserungen erreichen. Zudem könnten genossenschaftliche Bauformen und kommunal unterstützte Partnerschaften neue Modelle für Eigentum und bezahlbares Mieten liefern. Für eine liberale Wohnungspolitik bedeutet das: Mehr Wege statt mehr Schubladen. Wer Hilfe braucht, soll sie erhalten. Wer mieten möchte, braucht ein größeres Angebot. Wer Eigentum anstrebt, braucht realistische Chancen. Und wer sich genossenschaftlich organisieren will, soll dabei unterstützt werden. Nur so wird bezahlbares Wohnen wirklich inklusiv und ermöglicht sozialen Aufstieg statt nur Zuschläge für den ohnehin Ärmsten. Am Ende bleibt die zentrale Frage, die Bartsch in seinem Wahlwerbebeitrag stellt: Wenn Ihnen jemand bezahlbaren Wohnraum verspricht, prüfen Sie genau, für wen diese Versprechen gelten. Reichen die Antworten nur bis zum Wohnberechtigungsschein, greift das zu kurz. Das Ziel muss sein, möglichst vielen Menschen die Freiheit zu geben, ihr Wohnen selbst zu gestalten. Marvin Bartsch ist Bürgermeisterkandidat der FDP Garbsen zur Kommunalwahl 2026. Dieser Beitrag ist als Wahlwerbung gekennzeichnet und Teil der Berichterstattung zur Kommunalwahl 2026. Der Bericht stützt eine Nachricht von: https:



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